Sonntag, 20. September 2015

Nordwolle Delmenhorst
























Die "Nordwolle" in Delmenhorst ist einer der größten, in Resten erhaltenen Komplexe der Altindustrie in Norddeutschland. Gegründet wurde die "Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei" (NW&K) im Jahre 1884 vom Industriepatriarchen Christian Lahusen. Sie wurde deshalb nicht im benachbarten Bremen erbaut, weil Bremen damals noch Zollausland war (dieses wurde erst 1888 auf das Freihafengelände beschränkt), weshalb die Fertigprodukte hätten bei der Ausfuhr aus Bremen verzollt werden müssen. Der Standort Delmenhorst im Großherzogtum Oldenburg bot sich wegen seiner Nähe zu den Seehäfen Bremens, der Eisenbahnlinie Oldenburg-Bremen und der Delme zur Wasserentnahme an.  Die "Nordwolle" entwickelte sich zu einem Konzern, der im Jahre 1930 über 11 Werke und 4 Nebenbetriebe verfügte. Als Verwaltungsgebäude wurde das später so genannte "Haus des Reichs" in Bremen erbaut. Siehe hier. 1931 ging der Konzern wegen des patriarchalischen Führungsstils, der Verschwendungssucht der Eigentümer, Überschuldung und einer schlechten Wollkonjunktur in Konkurs. Die Brüder Carl und Heinz Lahusen stellte man 1933 wegen Bilanzfälschung und Untreue vor Gericht. Bereits 1932 wurde eine Nachfolgegesellschaft gegründet, die "Norddeutsche Woll- und Kammgarnindustrie AG" (ab 1950: "Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei AG") Diese Nachfolgegesellschaft (zuletzt als "Vereinigte Kammgarnspinnerei AG") produzierte bis zur Stilllegung der Fabrik im Jahre 1981. 1986 begann der Umbau der riesigen, mit Shedhallen überbauten Flächen zu Wohnsiedlungen - bei denen man die Außenfassaden der Shedhallen teilweise stehen ließ - und des ehemaligen Kernbereiches zu einem Industriemuseum und Dienstleistungszentrum. 

Der Komplex der Fabrik stellte gewissermaßen eine Stadt in der Stadt dar: Alles war auf dem Gelände vorhanden, neben den Produktionsstätten auch die Wohnungen für die Angestellten und die Arbeiter, Läden und Bäckerei, Badehaus, Krankenhaus, Mädchenheim, soziale Einrichtungen, sogar ein eigener Pastor, und eine Parkanlage. Die Arbeiter lebten dort faktisch in einer abgeschlossenen Welt, die sie kaum verlassen brauchten und zeitlich auch kaum konnten. Sie lebten und arbeiteten dort fast wie Leibeigene des Fabrikherren. Dennoch gab es durchaus Arbeitskämpfe und Streiks gegen die miserable Entlohnung, den ersten bereits 1897. Der größte Streik fand 1927 im Rahmen eines reichsweiten Streiks der Textilarbeiterschaft mit einer Dauer von drei Monaten (!) statt.

Das erste Bild ganz oben zeigt die Vorderfront (Schaufassade) der Fabrik. Sie ist heute schwer einseh- und fotografierbar, weil direkt gegenüber die hochgelegte Eisenbahnlinie verläuft. Das zweite Bild ist am Haupttor an der Pförtnerbude entstanden. Das dritte Bild zeigt diese von innen durch ein Fenster geknipst. Auf dem vierten und fünften Foto ist das Wollelager abgebildet.

Das erste Foto unterhalb dieses Textblocks ist eine Gesamtansicht des Kernbereichs der Fabrik mit der Energiezentrale. Links ist der markante Wasserturm zu sehen. Er ist 32,5 m hoch. Das zweite Bild zeigt den Wasserturm aus einer anderen Perspektive. Auf dem dritten Bild unterhalb dieses Textblocks ist das Turbinenhaus aus dem Jahre 1902 zu sehen. Hier erzeugte eine Dampfturbine den Strom für die Fabrik. Die Dampfturbine ist noch heute vorhanden. Das vierte Bild zeigt ein Gebäude, dessen Funktion mir nicht bekannt ist. Vermutlich handelt es sich auch um ein Wollelager. An dem Gleis ist zu erkennen, daß früher hier die Werkbahn hineinfuhr. Das Bild darunter mit der interessanten Deckenkonstruktion habe ich durch die Glasscheibe neben dem Stahltor aufgenommen. Es folgt eine Ansicht von der fabrikseitigen Fassade des Haupt-Wollelagers, und darunter die Ansicht einer Shedhallen-Außenwand. Hinter dieser Außenwand befinden sich heute moderne Wohnhäuser.







































Es folgt unten ein Bild mit einem der Angestelltenwohnhäuser der Fabrik, damals "Beamtenhäuser" genannt. Auf dem Bild darunter ist die Kantine ("Speiseanstalt") aus dem Jahre 1905 in der Angestelltensiedlung zu sehen. Da die Küche nicht mehr als 200 Personen versorgen konnte, durften nur die Angestellten in der "Speiseanstalt" essen; später "mußten" sie es. Die Kosten wurden ihnen vom Gehalt abgezogen. Die letzten beiden Bilder zeigen die Arbeitersiedlung. Sie ähnelt stark den Bergarbeitersiedlungen des Ruhrgebietes. Hinter den kleinen Häuschen ("Cottages") befanden sich Gemüsegärten und Kleintierställe zur Selbstversorgung. Der Mietvertag für ein "Cottage" war an den Arbeitsvertrag gekoppelt, was die Abhängigkeit vom Arbeitgeber stark erhöhte. So wurden 1927 Streikende aus den Wohnungen geworfen und diese Streikbrechern zur Verfügung gestellt. 
























Sonntag, 6. September 2015

Dampfloktag Osnabrück 2015














 Am 06. September 2015 fand am ehemaligen Zechenbahnhof Piesberg der diesjährige "Osnabrücker Dampfloktag" statt, eine Großveranstaltung, die im Zweijahresrhythmus wiederholt wird.