Donnerstag, 11. Juni 2015

Bremen, Haus des Reichs






























Das Finanzministerium Bremens befindet sich in einem Monumentalbau, der dem Art-Deco-Stil zugeordnet werden kann. Der Baubeginn dieses sogenannten "Haus des Reichs" war 1925. 

Als "Art Deco" bezeichnet man den Stil des Kunsthandwerks in der Zeit von etwa 1920 bis in die 1950er Jahre (in Deutschland nur von 1920 bis 1933, eine der Ausnahmen bildet die Stalinallee in Berlin von 1952) soweit er nicht eindeutig dem Jugendstil oder dem Bauhaus zugeordnet werden kann. Art Deco läßt sich von diesen Stilen jedoch nicht eindeutig abgrenzen; die Übergänge sind fließend. Während der reine Jugendstil als Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts durch eine flächenbetonte Ornamentik, nahezu ausschließliche florale Formen und einer Figurensymbolik, die weitgehend im Kunstobjekt selbst liegen sollte, bestimmt ist, und das Bauhaus dem Historismus der Kaiserzeit einen reinen Konstruktivismus entgegensetzte, der eine Einheit von Design, Zweckbestimmung und industrieller Produktionsweise der Objekte anstrebte, ist Art Deco ein verwirrendes Konglomerat verschiedenster Stilelemente: Florale Muster und Figuren des Jugendstils mischen sich mit exotischen Mustern und Motiven aus Afrika, Ägypten und Lateinamerika, sowie mit Rückgriffen auf Klassizismus und Renaissance. Mit dem Siegeszug des Jazz werden Zickzack-Muster aufgegriffen, und das beginnende Maschinenzeitalter bringt die Stromlinienform. 

Art Deco steht für den beginnenden Kosmopolitismus in Wirtschaft und Kultur in der Hochphase der Industrialisierung, für den auf der Industrie basierenden Reichtum und den Glauben an die Unbegrenztheit des technisch Machbaren. Der Begriff "Art Deco" für diese Kunstrichtung entstand erst in den 1960er Jahren. Vorher gab es für dieses Stilkonglomerat noch keinen einheitlichen Sammelbegriff. Die einzelnen Spielarten nannten sich Art Nouveau, Industrial Moderne, Expressionismus, Modernismus usw. Zum Inbegriff des Art Deco wurden beispielsweise die Ausstattungen der großen Luxusliner der 1920er und 30er Jahre, sowie die großen Filmtheater, Luxushotels und Music-Halls in den USA.   


Die Architektur des Art Deco greift häufig geometrische Formen der Tempel der südamerikanischen Maya, der Architektur der alten assyrischen und babylonischen Baumeister, sowie des europäischen Klassizismus auf.

Bei dem "Haus des Reichs" am Richtweg in Bremen handelt es sich um einen vierflügeligen, einen Innenhof umschließenden Monumentalbau. Er wurde 1925 als Verwaltungsgebäude der "Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei AG" (kurz: "Nordwolle") vom Konzernchef G.C.Lahusen in Auftrag gegeben. Der Nordwolle-Konzern verfügte 1930 über 11 Fabriken und 4 Nebenbetriebe. Das Hauptwerk war die Wollkämmerei in Delmenhorst. Wegen des patriarchalisch-autoritären Führungsstils der Lahusens zeigte sich der Konzern bald als zu starr und zu unflexibel, um sich veränderten äußeren Bedingungen anpassen zu können. Eine verfehlte Unternehmenspolitik in Verbindung mit einer schwierigen Textil- und Wollkonjunktur führte zu einer Krise. Dennoch ließ Lahusen mit dem "Haus des Reichs" und dem "Schloß Hohehorst" Prachtbauten errichten, deren Kosten 1931 schließlich zum Konkurs des Konzerns beitrugen. Die Brüder Carl und Heinz Lahusen wurden verhaftet und 1933 wegen Bilanzfälschung und Untreue vor Gericht gestellt. Die Prachtbauten übernahm später aus der Konkursmasse der NS-Staat. Obwohl Art Deco (den Begriff gab es damals, wie gesagt, noch nicht) bei den Nazis eigentlich ein verfehmter Stil war, machten sie den Bau am Bremer Richtweg zum staatlichen Verwaltungsgebäude und nannten es fortan "Haus des Reichs". Von 1945 bis 1947 residierte darin die amerikanische Militärregierung für Bremen und Bremerhaven. Heute befindet sich darin das Bremer Finanzministerium.  

Die ersten beiden Bilder ganz oben zeigen die Außenfassade des "Haus des Reichs". Die Bilder 3 bis 6 entstanden im Innenhof. Die Bilder unterhalb dieses Textblocks zeigen das Innere des Gebäudes.  



 

























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