Samstag, 4. Januar 2014

Brennerei Heiligenloh










Das Ortsbild des Dorfes Heiligenloh (Samtgemeinde Stadt Twistringen) wird stark von der Schnapsbrennerei Spradau dominiert, die sich mitten im Dorfzentrum gegenüber der Kirche befindet. Die recht große, eigentlich schon industrielle Brennerei entstand um 1875. Im 20. Jahrhundert wurden die alten Gebäude modern aufgestockt und mit Flachdächern versehen. Besonders markant ist das Betriebsgebäude, das einem niedersächsischen Gutshof nachempfunden ist. Der "Heiligenloher Korn" war in der ganzen Region bekannt. Heute ist die Brennerei stillgelegt und steht leer. 

Der Bereich um Colnrade, Goldenstedt und Heiligenloh war vom Mittelalter bis ins 15. Jahrhundert zwischen Münster, Hoya und Diepholz strittig, die Besitzverhältnisse verworren, unbeständig und kompliziert. Die Quellenlage (Sekundärquellen) ist schlecht, dennoch möchte ich hier versuchen, aus den wenigen mir vorliegenden Informationen einen kleinen Überblick zu versuchen. Falls etwas nicht stimmt, bitte eine Mail oder kommentieren. Twistringen und sein Umland gehörten ab 1252 zur Herrschaft Vechta und damit zum Bistum Münster. 1458 verpfändete das Bistum den Bereich an die Grafen von Hoya. Somit setzte sich auch hier im 16. Jahrhundert die Reformation durch. Da Graf Jobst von Hoya seine Pfandrechte 1541 zurückgegeben hatte, konnte es 1629 zur Gegenreformation im Twistringer Raum kommen. Die weltliche Herrschaft über das Gebiet mußte sich Münster ab 1667 allerdings mit dem protestantischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (Amt Ehrenburg) teilen (Quelle: Brüning, Schmidt, Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Band 2). Heiligenloh war von der Gegenreformation offenbar nicht betroffen, vermutlich weil es bereits seit etwa 1500 zum Amt Ehrenburg gehörte. Die Kirche zu Heiligenloh ist noch heute evangelisch-lutherisch. Ab 1817 gehörte der gesamte Raum Twistringen zu Hannover (Amt Ehrenburg). Nach der preußischen Annexion Hannovers von 1866 wurde 1885 der preußische Landkreis Syke (später Kreis Grafschaft Hoya) gebildet, an den auch Twistringen und Heiligenloh kamen. In den 1970er Jahren kam das Gebiet des früheren Kreises Syke an den Kreis Diepholz. 1974 wurde Heiligenloh nach Twistringen eingemeindet.    

















Etwa 5 km westlich Heiligenloh befindet sich an der Heiligenloher Beeke kurz vor ihrer Einmündung in die Hunte die Essemühle (siehe Foto ganz unten). Sie gehört zum kleinen Dorf Rüssen. Dieses liegt ebenfalls in dem im Mittelalter zwischen Münster, Hoya und Diepholz strittigen Bereich. Die westlich Essemühle in 1 km Entfernung in Süd-Nordrichtung vorbeifließende Hunte bildet heute die Grenze zwischen den Landkreisen Diepholz und Vechta (ehem. Staatsgrenze zwischen Hannover und Oldenburg). Auch Rüssen wurde 1974 nach Twistringen eingemeindet. Über die Essemühle liegen mir kaum weitere Informationen vor. Sie wurde 1529 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte damals zum Alexanderstift Wildeshausen. Das seit 1817 zu Hannover gehörende Rüssen wurde1859 dem hannoverschen Amt Freudenberg zugeordnet.








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