Samstag, 26. Oktober 2013

Bahnhof Rehden-Wetschen














Die eingleisige Eisenbahn-Nebenstrecke Diepholz-Sulingen-Nienburg wurde 1923 in Betrieb genommen. Die Bahnhofsgebäude der Strecke sind im sogenannten Heimatschutzstil ausgeführt und unterscheiden sich damit deutlich vom preußischen Einheitsbaustil des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem die Gebäude an den Strecken Osnabrück-Bremen und Bünde-Sulingen-Bassum ausgeführt sind. Der Heimatschutzstil entstand kurz nach der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und stellte eine Gegenbewegung sowohl zum Historismus, als auch zur entstehenden modernen Architektur des Bauhauses dar. Der Heimatschutzstil war zwar modern und verwendete auch moderne Baumaterialien, aber die Architektur sollte gleichzeitig mit traditionellen Elementen in die Landschaft der jeweiligen Region eingefügt werden. Heute mutet der Heimatschutzstil wie eine Art Landhausstil an. 

Die Eisenbahnstrecke diente sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr. Überwiegend wurden landwirtschaftliche Güter transportiert. Der Bahnhof Rehden-Wetschen war entsprechend mit einem an das Empfangsgebäude angebauten Stückgutschuppen, einer Ladestraße westlich des Gebäudes und einer Vieh-Verladerampe östlich des Gebäudes ausgestattet. 1937 entstand der Gleisanschluß an die Heeres-Munitionsanstalt Rehden ("Muna"), wodurch der Bahnhof auch strategische Bedeutung bekam. Der Schienen-Personenverkehr zwischen Diepholz und Sulingen wurde bereits 1966 eingestellt. Der Bahnhof Rehden-Wetschen blieb dennoch bis in die 1970er Jahre mit einem Fahrdienstleiter besetzt. 1985 wurde das Bahnhofsgebäude schließlich an eine Privatperson verkauft und entging somit seinem Abriß. Die Munitionstransporte für die Muna, die seit 1956 von der Luftwaffe betrieben wurde, endeten mit  deren Schließung im Jahre 1995. Der Gleisanschluß wird heute für die Firma "BTR-Logistik" genutzt, die das Muna-Gelände übernommen hat. Ansonsten wird die Strecke Diepholz-Sulingen mit Schwefel- und Ölzügen für die Exxon-Mobil in Barenburg befahren. Der Streckenabschnitt Sulingen-Nienburg ist stillgelegt.   




















Sonntag, 20. Oktober 2013

Stift Bassum








  














Das Kanonissenstift Bassum wurde um 860 vom Erzbischof Ansgar von Bremen gegründet und bekam das Recht auf Immunität und Vogtei. Stiftsvögte wurden später die Grafen von Hoya, deren Familie auch mehrere Äbtissinnen stellte. Um das Stift bildete sich der Flecken Bassum.  1541 wurde in Bassum die Reformation eingeführt, das Stift jedoch vom Grafen von Hoya nicht aufgehoben, sondern 1544 in ein protestantisch- adelig- freiweltliches Damenstift zur Versorgung  der ledigen Töchter des Adels umgewandelt. Nach dem Übergang der Grafschaft Hoya an die Welfen (Herzogtum Braunschweig-Lüneburg) im Jahre 1582 bestätigten diese die Privilegien des Stifts einschließlich der Gerichtsbarkeit. 

Das unmittelbar an Bassum grenzende, nur wenige Minuten Fußweg vom Stift entfernte, aus der Hoya'schen Burg Freudenberg hervorgegangene Amt Freudenberg fiel entsprechend alter Verträge 1582 als Exklave an Hessen. Das Stift Bassum wurde unter der französischen Besatzung während der Napoleonischen Kriege aufgehoben, 1813 aber restituiert. Mit der Gründung des Königreich Hannover kamen nach 1815 sowohl Basssum, das ohnehin zum welfischen Kurfürstentum Hannover gehört hatte, als auch die bis dahin hessische Exklave Freudenberg an das Königreich. 

1842 erhielt das Stift Bassum den Charakter einer selbstständigen Stiftung, an deren Spitze die Äbtissin steht. Die Geschäftsführung oblag beim von der Äbtissin bestellten Stiftsrentmeister. Die niedere Gerichtsbarkeit des Stifts wurde erst Ende der 1860er Jahre gegen Entschädigung aufgehoben. 1896 wurden die Orte Freudenberg und Bassum vereint. Das Stift Bassum besteht noch heute.

Die romanische Stiftskirche (die ersten zwei Fotos von oben) wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut und Anfang des 14. Jahrhunderts als gotische Hallenkirche umgebaut. Ihr heutiger Bauzustand geht im Wesentlichen auf eine gundlegende Restaurierung im Jahre 1866 zurück. Das dritte und vierte Foto entstand am Eingang zur Stiftsanlage mit einem Wirtschaftsgebäude und dem Gemäuer der Stiftskirche im Hintergrund. Das fünfte Foto zeigt die Abtei des Stift, ein mächtiger Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert.

Unterhalb dieses Textblocks folgen zwei Fotos mit der Wassermühle des Stift, die im 19. Jahrhundert anstelle einer älteren Mühle erbaut worden ist. Das dritte Foto entstand an einem Altwasser des Klosterbachs, das sich im Feuchtgebiet vor dem Stift befindet. Darunter folgen zwei Bilder von der Schnapsbrennerei, die direkt an den Kirch-Hügel angebaut ist. Die Brennerei gehörte nicht zum Stift, sondern wurde 1865 von einem Privatunternehmer errichtet. Der Betrieb wechselte mehrmals den Besitzer bzw. Pächter. Letzter Inhaber war bis zur Stillegung des Betriebes im Jahre 1989 Herbert Czyganowski. Seitdem steht das Gebäude leer.  Das ungewöhnlich hohe Gebäude enthielt im Erdgeschoß die Brennereianlagen und in den oberen Geschossen den Getreidespeicher und die Malztenne. Hergestellt wurde hier "alter Korn und feinster Trinkbranntwein" sowie "Bassumer Doppel-Kümmel".