Sonntag, 4. August 2013

Wassermühle Wittlage

 
 
 
 
 



















Wittlage (Ldkrs. Osnabrück, Gemeinde Bad Essen) ist nur ein ganz kleines Dorf, aber als ehemaliger Verwaltungsort in der Region durchaus bekannt, zumindest dem Namen nach. Das markanteste Gebäude ist nicht die von hohen Bäumen verdeckte Burg, sondern die direkt an der Bundesstraße 65 liegende alte Wassermühle an der Hunte. Die Mühle gehörte ursprünglich zur Burg und wurde 1309 erstmals erwähnt. Das heute erhaltene Mühlengebäude geht auf das Jahr 1670 zurück.  Die Hunte fließt unter dem Gebäude durch und treibt dort eine Turbine an. Sie dient noch heute der Stromerzeugung. Auf dem dritten Bild von oben ist das an der Nordseite des Gebäudes  eingelassene Wappen des Welfen-Herzogs Ernst August I. zu Braunschweig-Lüneburg mit der Jahreszahl "1670" (dem Baujahr des heutigen Mühlengebäudes) in römischer Schrift zu sehen. Ernst August war von 1662 bis 1698 protestantischer Fürstbischof von Osnabrück und wurde danach Kurfürst von Hannover. Das Fürstbistum Osnabrück, in dem Wittlage liegt, wurde nach dem 30-jährigen Krieg entsprechend einer Vereinbarung vom "Westfälischen Frieden" in Alternation von einem protestantischen und einem katholischen Fürstbischof regiert. Auf dem Foto darunter ist ein stark verwittertes Wappen mit der Jahreszahl "1737" zu sehen, das sich an der Ostseite des Gebäudes befindet. Es trägt kaum noch erkennbar die Initialen "CA" für den katholischen Fürstbischof von Osnabrück Clemens August von Bayern, ein Sohn von Max II. Emanuel von Bayern. Clemens August war gleichzeitig auch Fürstbischof von Münster, Paderborn und Hildesheim, sowie Erzbischof von Köln im Kurfürstenrang und Hochmeister des Deutschen Ordens. Residiert hat er natürlich nicht in Osnabrück, sondern in Bonn auf Schloß Brühl und auf Schloß Clemenswerth bei Sögel im Emsland. Clemens August war Landesherr von Osnabrück von 1728 bis 1761.

Die Bildreihe unterhalb dieses Textblocks zeigt die Burg Wittlage. Sie wurde 1309 durch Bischof Engelbert II. von Osnabrück als nordöstliche Grenzfestung gegen Ravensberg, Minden und Diepholz errichtet. Ab 1716 war die Burg Wittlage Sitz des Fürstbischöflich Osnabrückschen Amtes Wittlage. 1802 wurde dieses um das aufgelöste Amt Hunteburg erweitert. Nach der Annexion des 1815 gebildeten Königreich Hannover - zu dem auch das Bistum Osnabrück gehörte - durch Preußen im Jahre 1866, wandelten die Preußen das Amt Wittlage 1885 zum preußischen Landkreis um. Dieser selbstständige Landkreis Wittlage wurde 1972 dem Landkreises Osnabrück angeschlossen, das Dorf Wittlage, das im Jahre 1970 nur 745 Einwohner hatte, im selben Jahr nach Bad Essen eingemeindet.

Das erste der drei unteren Bilder zeigt den Burggraben. Die hohen Bäume verdecken rundum die Sicht auf den Schloßturm. Das zweite Bild zeigt den Schloßturm vom Hof aus gesehen. Die Burg Wittlage dient heute als Kurzzeitpflegeeinrichtung der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück, sowie als Tagungsort. Dazu wurden bei den Um- und Neubauten teils viel zu weitgehende Abstriche von der Denkmalpflege gemacht. Aus diesem Grund, und auch weil Teile der Außenanlage nicht öffentlich zugänglich sind, ist es kaum möglich, ein wirklich gutes Foto mit dem Turm zu machen. Auf dem dritten Foto ist der Haupteingang in den Gebäudeflügel der Burg zu sehen, der 1716 unter dem protestantischen Fürstbischof Ernst August II. von Osnabrück als Amtshaus erbaut wurde.