Montag, 24. Juni 2013

Wifo-Tanklager Bremen-Farge





Dieser Eintrag ist die Fortsetzung des vorhergehenden Eintrags "U-Boot-Bunker Valentin". Das Bild oben zeigt die Haupt-Eisenbahn- und Straßeneinfahrt in das vielleicht größte unterirdische militärische Tanklager der Welt, das zwischen 1935 und 1943 für die deutsche Wehrmacht erbaute, und bis zum Ende des Kalten Krieges auf dem neuesten Stand gehaltene, 320 Millionen Liter Treibstoff fassende Wifo-Tanklager Farge. 1957 ging das Tanklager in den Besitz des Bundesministeriums der Verteidigung über. Die Verwaltung des Geländes übernahm die damals staatliche Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG). Die unterirdischen Treibstofftanks sind verbunkert und mit Vegetation überwachsen, somit auf Luftaufnahmen kaum erkennbar. Im Hintergrund des Bildes sieht man eine Abfüllanlage für Eisenbahn-Tankwagen, eines der wenigen, überhaupt sichtbaren Objekte der Riesen-Anlage. Als ich die Fotos machte, hatte die Bundeswehr die Anlage bereits stillgelegt oder die Stilllegung war in Vorbereitung. Deshalb war weit und breit nirgendwo mehr ein Eisenbahn-Tankwaggon zu sehen. 

Eine ausführlichere Beschreibung der Geschichte des Tanklagers finden Sie in dem Eintrag "U-Boot-Bunker Valentin" hier


Das zweite Bild zeigt die Eisenbahneinfahrt mit Sicherheitsschleuse von der Seite. Hier ist alles mit Überwachungskameras, Lichtschranken etc. "gespickt". Man fühlt sich an die Grenze zwischen der DDR und der BRD erinnert. 








Es folgt ein Bild von einer weiteren Einfahrt, jedoch nur für Kraftfahrzeuge. Da das Tor offen steht, hinter dem Tor aber ein neuer Zaun zu sehen ist, der die Straße vom Gelände trennt, ist es denkbar, daß hier bereits zumindest ein Teil an einen anderen Nutzer abgegeben worden ist (vermutlich an die "TanQuid Zweite GmbH & Co KG"). Darunter steht ein Bild von einer weiteren, schon längere Zeit nicht mehr benutzten Eisenbahneinfahrt mit stark angerosteten Gleisen. Auf dem dritten Bild ist die dortige Abfüllanlage zu sehen, auf dem vierten Bild diese stark herangezoomt.


























Es folgen Bilder von den Eisenbahnanlagen am Tanklager. Das erste Bild zeigt einen noch erhalten gebliebenen, sehr kleinen Rest mit unbenutzten und verrosteten Gleisen von den einst ausgedehnten Abstell- und Rangierbahnhöfen für die Tankwaggons. Dieser in Richtung Farge fotografierte Rest ist Teil der Strecke, die das an das Wifo-Tanklager angrenzende, nicht fertiggestellte Kriegsmarinetanklager mit Farge verbindet und nach dem Krieg als Anschlußstrecke der Garnison Schwanewede der Bundeswehr für den Panzer- und Fahrzeugtransport genutzt wurde. Auf dem Foto darunter ist ein Splitterschutzbunker auf abgeräumten Bahngelände zu sehen, den man vielleicht als Denkmal stehen gelassen hat. 

Das darauf folgende Foto zeigt das ehemalige Bahnbetriebswerk Farge, das sich zwischen den Tanklagerzufahrten und dem Bahnhof Farge befindet. Ganz rechts im Bild ist die elektrifizierte S-Bahnstrecke aus Richtung Bremen-Vegesack zu sehen. Auf dem Bild darunter kann man den Lokschuppen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs von nah sehen. Besonders bemerkenswert ist auch hier der davor stehende, noch erhaltene Splitterschutzbunker.
Es folgt ein Bild vom Personenbahnhof Bremen-Farge. Er ist ein Kopfbahnhof. Die Strecke endet hier, die Gleise enden mit einem Prellbock an einem alten Fabrikgebäude. Die S-Bahn-Züge müssen in Gegenrichtung wieder ausfahren. Im Empfangsgebäude (letztes Bild) befindet sich die Verwaltung der "Farge Vegesacker Eisenbahngesellschaft (FVE)"































Der Bremer Stadtteil Farge entstand im Mittelalter als kleines Fischer- und Bauerndorf nahe der von 1220 bis 1222 bestehenden, lange dort vermuteten Zollstelle Witteborg des Bischofs von Bremen an der Unterweser. Heute sind Historiker eher der Auffassung, daß sich die Witteborg bei Lemwerder befand. Der Ortsname "Farge" deutet auf eine Fähre hin, die hier vermutlich bereits im Mittelalter bestanden hat. Ab 1654 gehörte Farge zum schwedischen Herzogtum Bremen, das 1715 an Hannover kam. Bereits während der Zeit des Königreich Hannover begann in Farge 1854 mit der Ansiedlung der britischen Steingutfabrik "Witteburg" die Industrialisierung. Mit der Annexion Hannovers durch Preußen im Jahre 1866 wurde Farge preußisch. Der Ort blieb vorerst überwiegend ländlich geprägt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg der Arbeiteranteil der Einwohner von Farge durch die Gründung der Wollkämmerei im benachbarten Blumenthal und  der Vulkan-Werft in Vegesack deutlich an. 1888 wurde die Eisenbahnstrecke von Farge nach Bremen-Vegesack eröffnet. Bis in die preußische Zeit gehörte Farge zum Amt Blumenthal, dann zum Landkreis Blumenthal. Dieser wurde 1932 an den Landkreis Osterholz angeschlossen. Ab Mitte der 1930er Jahre begann der Bau umfangreicher militärischer Anlagen, dem Wifo-Tanklager, dem Kriegsmarinetanklager, den entsprechenden Erweiterungen der Eisenbahnanlagen, schließlich dem U-Boot-Bunker "Valentin" mit den entsprechenden Zwangsarbeiterlagern, dem Konzentrationslager und einem "Arbeitserziehungslager". Eine großräumige Rüstungslandschaft prägte den Ort und seine Umgebung fortan entscheidend und bis heute. Erst 1939 wurde Farge der Stadt Bremen angegliedert. Heute ist Farge ein eher ärmlich wirkender Stadtteil, der mit seinen Arbeiterhäusern, alten Fabrikhöfen, Wohnblocks, dem Kohlekraftwerk und dem kleinstädtischen Charakter des Ortes an einige Regionen des Ruhrgebietes erinnert. 








Donnerstag, 20. Juni 2013

U-Boot-Bunker Valentin




Das erste Bild zeigt den S-Bahnhof "Bremen-Farge". Er liegt am äußersten Nordwestrand der Stadt Bremen und ist Endstation der rund 10 km langen, eingleisigen Bahnstrecke von Vegesack nach Farge. Die Strecke wurde von der "Farge Vegesacker Eisenbahngesellschaft (FVE)" gegründet und 1888 eröffnet. Die Betriebsführung übernahm die Preußische Staatsbahn, und ab 1927 die Deutsche Reichbahn. 1961 wurde der Schienen-Personenverkehr, den nach dem Krieg teils die FVE selbst und teils die DB übernommen hatte, wegen Unrentabilität (Konkurrenz durch Stadtbusse der BSAG) eingestellt. Die eigentliche Bedeutung der Bahnstrecke lag im Güterverkehr mit dem Wifo-Tanklager Farge, mit dem Kohlekraftwerk Farge, und bis Anfang 1945 auch mit der Baustelle des U-Boot-Bunkers "Valentin". Im weiteren Umfeld des Bahnhofs befinden sich noch heute mehrere entsprechende, teils überwachsene Gleisanlagen, in Bremen-Rönnebeck (heute S-Bahnhof Turnerstraße) sogar ein großer, zugewachsener Rangierbahnhof. Im Dezember 2007 wurde der Schienen-Personenverkehr reaktiviert, zunächst mit Dieseltriebwagen der Nordwestbahn. Nach der Elektrifizierung der Strecke folgte schließlich im Jahre 2011 ihre Integration in das neue Bremer S-Bahn-Netz. Die S-Bahnfahrt von Bremen Hbf bis Bremen-Farge dauert etwa 45 min, was an der enormen Längenausdehnung der Großstadt Bremen liegt. Bis zum U-Boot-Bunker sind es dann noch knapp über 2 km Fuß- oder Fahrradweg.

Es folgen vier Bilder vom Ölpier des Wifo-Tanklagers. Man kommt am Pier vorbei, wenn man als Fuß- oder Fahrradweg die Strecke vom Bahnhof entlang des Weserdeiches wählt. Das Wifo-Tanklager für die Deutsche Wehrmacht (Wifo = "Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft", eine Tarnfirma) wurde ab 1935 am nordöstlichen Ortsrand von Farge erbaut und ab 1941 schrittweise in Betrieb genommen. Die Treibstoffbunker (bestehend aus Blocks zu je 5 Stück liegend eingegrabener, 50 m langer Stahlzylinder mit 10 m Durchmesser) sind mit Beton umschlossen, mit Erde überdeckt, und diese mit Vegetation überwachsen. Das Tanklager galt mit einer Kapazität von 320 Millionen Litern als das größte unterirdische Tanklager der Welt. Es wurde über eine Pipeline mit dem eigens dafür errichteten Ölpier an der Weser verbunden. Nach dem Krieg übernahm die US-Army das Tanklager, dann die Bundeswehr. In den 1960er Jahren erhielt es den Anschluß an die NATO-Pipeline (Stichleitung von Bramsche über Oldenburg nach Farge). Die NATO-Pipeline ist ein militärisches Leitungssystem, mit dem vor allem die Luftwaffenstützpunkte in West- und Mitteleuropa mit den militärischen Tanklagern vernetzt sind. Ab 1971 wurde hier in Farge auch ein Teil der nationalen Heizölreserve gelagert. Auf dem dritten Bild sieht man einen sogenannten Streckenschieberschacht der Pipeline. Das Bild habe ich von der Deichkrone aus aufgenommen, auf der Landseite direkt gegenüber dem Ölpier. Die auf dem Vierten der vier Bilder (Kennzeichnung einer unterirdischen Leitung gegenüber dem Ölpier) erwähnte "Fernleitungs-Betriebsgesellschaft mbH", ist für die NATO-Pipeline zuständig. Im "Verteidigungsfall" hätten jedoch Pipelinepioniere der Bundeswehr die Betriebsführung übernommen. Tanklager und Ölpier sind heute noch militärischer Bereich. Die Bundeswehr bereitet allerdings mangels Bedarf derzeit die Stilllegung des Tanklagers vor und sucht einen Käufer. Ein großes Problem sind nun die Altlasten. Boden und Grundwasser im Umfeld des Tanklagers sind mit Treibstoff und krebserregendem Benzol verseucht. 

An das Wifo-Tanklager nördlich anschließend begann 1939 der Bau eines weiteren Treibstoffdepots, des "Kriegsmarinetanklagers", das jedoch nicht mehr in Betrieb genommen wurde. Auch für dieses Tanklager wurde eine unterirdische Pipeline zum Ölpier verlegt. Nach seinem Baustopp im Jahre 1941 blieb das Marinetanklager eine Bauruine. Auf dem Gelände wurden ab 1943 Zwangsarbeiterlager für den Bau des U-Boot-Bunkers "Valentin" eingerichtet. Einer der leeren Betontanks (Durchmesser 46 m) diente als Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Nach dem Krieg nutzte die Garnison Schwanewede der Bundeswehr das Gelände als Standortübungsplatz.   

Alle drei Projekte, das Wifo-Tanklager, das Kriegsmarinetanklager und der U-Boot-Bunker "Valentin", sowie die dazugehörenden Eisenbahnanlagen, Konzentrationslager und Zwangsarbeiterlager hinterließen bis heute zahlreiche Spuren einer großräumigen Rüstungslandschaft zwischen Bremen-Farge und Schwanewede.



















Die folgenden Bilder entstanden am zweitgrößten U-Boot-Bunker der Welt, dem etwa 2 km stromabwärts des Ölpiers liegenden Bunker "Valentin". Obwohl der Bunker eigentlich im angrenzenden, kleineren Ortsteil Bremen-Rekum liegt, wird er meist "U-Boot-Bunker Farge" genannt. Baubeginn war Mitte 1943. In dem Bunker sollten U-Boote vom Typ XXI im Fließbandverfahren montiert werden. Die vorgefertigten Sektionen sollten dazu aus anderen Werften hier angeliefert werden. Das U-Boot vom Typ XXI war das erste "echte" Unterseeboot im Sinne heutiger U-Boote, weil es mit Hilfe einer speziellen Schnorchelanlage und sehr leistungsstarken Batterien durchgehend unter Wasser fahren konnte. Die Vorgängertypen waren lediglich Tauchboote und konnten daher von Flugzeugen und Radar bei Überwasserfahrt aufgespürt werden. Die Nazi-Führung hoffte, mit dem neuen U-Boot-Typ die Nachschubwege der Alliierten auf dem Atlantik unterbrechen, und somit den faktisch bereits verlorenen Krieg doch noch zu ihren Gunsten wenden zu können. Der riesige Werft-Bunker sollte in Sklavenarbeit errichtet werden.

In dem kleinen Flyer der Landeszentrale für politische Bildung, der am Bunker aus einer Box kostenlos entnommen werden kann, steht zu lesen: "[...] Bis zu 10.000 Zwangsarbeiter mussten zwischen Sommer 1943 und Frühjahr 1945 unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit auf der riesigen Baustelle leisten: Zivile Zwangsarbeiter aus Ost- und Westeuropa, sowjetische Kriegsgefangene, italienische Militärinternierte, KZ-Häftlinge und Insassen eines Arbeitserziehungslagers der Bremer Gestapo. Viele von ihnen überlebten die Folgen der körperlich anstrengenden Arbeit auf der Bunkerbaustelle, der unzureichenden Versorgung und der Lebensbedingungen in den umliegenden Lagern nicht [...]"

Vermutlich weil der Bunkerbau Ressourcen der deutschen Kriegswirtschaft band, entschlossen sich die Alliierten erst Ende März 1945 kurz vor seiner Fertigstellung zu zwei Luftangriffen (einem britischen und einem amerikanischen). u.a. mit 10-t-Spezialbomben. Beim zweiten dieser Angriffe wurde auch das Wifo-Tanklager bombardiert, von diesem jedoch nur einer der Treibstoffbunker zerstört und das Rohrleitungssystem beschädigt. Die Baustelle des U-Boot-Bunkers konnte zwar verwüstet, und der Bunker schwer beschädigt, dieser aber nicht mehr zerstört werden. Anfang April 1945 folgte der Stopp der Bauarbeiten. Zur Produktion eines U-Bootes kam es nicht mehr. Auch der Durchstich zur Weser wurde nicht mehr fertiggestellt, da eine Zeitzünderbombe den sich in der Bunkerbucht befindenden Schwimmbagger versenkt hatte. Nur Tage später stand die Britische Armee mit Bodentruppen vor Bremen. Die Bunkerbucht ist zwar heute noch vorhanden, doch weil die Verbindung zwischen Bucht und Bunker nicht mehr hergestellt werden konnte, verläuft heute der Weserdeich zwischen Bunker und Bucht.

Der Bunker ist 426 m lang und 97 m breit, die Deckenstärke beträgt an der dicksten Stelle 7 m, die Außenwandstärke beträgt ebenfalls bis zu 7 m, die Innenwandstärke 2 m.

Bis 2010 hat die Bundeswehr einen Teil des Bunkers als Marine-Materiallager genutzt. Eine Innenbesichtigung des U-Boot-Bunkers ist nur im Rahmen einer Führung nach Voranmeldung möglich. Ein Besucherzentrum ist derzeit erst in Planung.












 

   







































Die letzten beiden Bilder zeigen das Mahnmal, das auf der Landseite vor dem Bunker aufgestellt ist:












Die Fortsetzung dieses Beitrags unter "Wifo-Tanklager Bremen-Farge" hier.





Sonntag, 16. Juni 2013

Schiffsreise Bremerhaven-Bremen




In Bremerhaven die erste Überraschung: An unserem Kai hat ein Großsegler festgemacht. Doch nicht der schöne Segler wird uns nach Bremen fahren, sondern...





dieser kleine, aber doch recht wetterfeste  "Flußdampfer", der direkt vor dem Segler steht. Die Fahrt wird ca. 4 Stunden dauern.






Ich suche mir auf dem Achterdeck des Schiffes einen günstigen Platz zum Fotografieren. Jetzt kann es los gehen.



 
 
 
Wir legen bei Starkwind pünktlich um 15:15 Uhr ab. Noch ein Blick aus der Ferne auf die Bremerhavener Überseehäfen.
 
 
 
 
 
 
 
Die Skyline von Bremerhaven rückt in immer weitere Ferne.
 
 
 
 



Nach ca. einer halben Stunde erreichen wir den Hafen von Nordenham.


 
 
 
Um 16:30 Uhr passieren wir Brake, einen bedeutenden Einfuhrhafen für Futtermittel für die Massentierhaltung, für Getreide und Düngemittel. Das Hafenpanorama ist von riesigen, fast amerikanisch anmutenden Silo-Bauten geprägt. Dann geht es rund eine Stunde weiter durch sehr einsames Gebiet: Nur Himmel, Wolken, Wasser, durchschnitten von den schmalen, grünen Uferstreifen.
 
 
 

 
 
 
Wir sind mittlerweile im Binnenland. Der scharfe Nordseewind und die Salzwasserluft sind kaum noch spürbar. In Bremen-Farge kommt der zweitgröße U-Boot-Bunker der Welt, der "Bunker Valentin" (Baujahr 1944) in Sicht. Auf der riesigen Baustelle mußten 1944 täglich rund 8000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene arbeiten. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt, geht aber in die Tausende. Zu einer Nutzung des Bunkers kam es vor Kriegsende nicht mehr. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte. Bis 2010 hat die Bundewehr Teile des Bunkers als Materiallager genutzt.
 
 
 
 
 
Vom U-Boot-Bunker etwa 2 km stromaufwärts befindet sich dieser auffällig unauffällige Ölpier (rechts im Bild) mit zwei Ölkränen. Er stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und gehörte zum verbunkerten Wifo-Tanklager Farge, mit dem er über eine Pipeline verbunden war. Ab 1941wurde das Tanklager schrittweise in Betrieb genommen.  Nach dem Krieg hat es zunächst die US-Army, dann die Bundeswehr weitergenutzt. In den 1960er Jahren bekam das Tanklager einen Anschluß an die NATO-Pipeline. Ab 1971 wurde hier auch ein Teil der nationalen Heizölreserve gelagert. Zur Zeit bereitet die Bundeswehr die Stilllegung vor und bietet das Tanklager zum Kauf an. 
 
Der große Massengutfrachter (links im Bild) fährt schon seit Nordenham hinter uns her. Sein Ziel sind die Bremer Industriehäfen.
 
 
 
 
 
 
Um 17:35 Uhr passieren wir Bremen-Blumenthal. Das markanteste Objekt ist dort die Bremer Wollkämmerei (gegründet 1883, geschlossen 2009), eines der größten erhaltenen Industriekomplexe aus dem 19. Jahrhundert, ein Bau- und Kulturdenkmal ersten Ranges. Es ist zu hoffen, daß von den historischen Fabrik-Gebäuden der Wollkämmerei so viel wie möglich erhalten bleibt. 2012 wurden zumindest Teile der Anlage unter Denkmalschutz gestellt.
 
Bis zur Bremer Innenstadt sind es mit unserem Schiff noch rund anderthalb Stunden.
 
 
 
 


  
 
An Blumenthal schließt sich Bremen-Vegesack an. Als erstes taucht dort die ehemalige Großwerft "Bremer Vulkan" auf (1997 pleite gegangen, heute: "Lührsen Werft"). Von den alten, von der Weser aus zu sehenden Werftanlagen fällt besonders der abgebildete historische Kran auf.  
 
 
 
 
 
 
 
Der alte Vegesacker Hafen ist Standort des Segelschulschiffs "Deutschland".
 
 
 
 
 
 
 
Allmählich gelangen wir zu den stadtbremischen Häfen. Die erste markante Anlage ist das 1908 erbaute Bremer Stahlwerk. Es ist immer noch in Betrieb.
 
 
 
 
 
 
Hinter dem Stahlwerk passieren wir die "Schleuse Oslebshausen". Hier werden Großschiffe (überwiegend Massengutfrachter) in die Industriehafengruppe eingeschleust.
 
 
 
 
 
 
 
Gegen 18:15 Uhr fahren wir an den alten stadtbremischen Häfen vorbei. Dort bieten sich uns die historischen Bauten mit dem Turm der Roland-Mühle (Art Deco Stil)  - dem Wahrzeichen der Häfen - in einem faszinierenden Panorama. Mittlerweile ist es Abend geworden und die Sonne steht tief, was die Lichtverhältnisse und das tintenblaue Wasser erklärt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dann die "Krönung": Es ist kurz vor 19:00 Uhr. Vor uns breitet sich die eindrucksvolle Skyline von Bremen, der schönsten Großstadt
Norddeutschlands. Wir sind am Ziel. Bis zu unserem Anleger in der City nahe der Böttcherstaße sind es noch etwa 15 min.  Am rechten Bildrand sieht man die Beck's Brauerei, deren Produkt seit der Übernahme durch die belgische Inbev-Gruppe mir nicht mehr so recht schmeckt. 
 
 
   

 
 
 



Sonntag, 9. Juni 2013

Vechta, Zitadelle






























Die Kreisstadt Vechta hat rund 30.400 Einwohner und liegt ca. 15 km von meiner Heimatstadt Diepholz entfernt im ehemaligen Großherzogtum Oldenburg. Die Diepholzer nutzen vor allem die Einkaufs- und Dienstleistungsmöglichkeiten in Vechta. Sonstige Beziehungen gibt es wenig, da Vechta für Diepholz bis 1918 faktisch "Ausland" war, was bis heute nachwirkt. Viel Historisches ist in Vechta nicht erhalten, doch es gibt zumindest einen sehr interessanten historischen Ort: Die Zitadelle. Sie wurde 1666 - also erst nach dem 30jährigen Krieg - durch den Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard Graf von Galen (1606-1678) als Bollwerk der katholischen gegen die protestantischen Mächte erbaut. Damals gehörte Vechta zum katholischen Niederstift Münster. Die Zitadelle hatte einen Durchmesser von 700 m, war durch ausgedehnte Wallanlagen und Gräben gesichert und bildete für sich eine kleine Stadt mit allen Versorgungseinrichtungen wie Wohneinheiten, Speichern, Magazinen, Bäckerei, Brauerei usw. In Kriegszeiten war die Zitadelle mit 1100 Personen, davon 800 Soldaten belegt. Im siebenjährigen Krieg, in dem Preußen, Großbritannien und Hannover gegen Österreich, Frankreich, Rußland und das Heilige Römische Reich kämpften, wurde die Zitadelle 1758 belagert, schließlich der Hannoverschen Armee kampflos übergeben und ca. 10 Jahre später geschleift. Nur das Zeughaus aus dem Jahre 1698 blieb bis heute erhalten. Die Wallanlagen und Gräben wurden Ende des 20. Jahrhunderts rekonstruiert. Nach dem Anschluß der Ämter Cloppenburg und Vechta an das Großherzogtum Oldenburg im Jahre 1803 verlegte dieses den Strafvollzug nach Vechta. Das Zeughaus wurde ab 1816 zunächst als Zwangsarbeitshaus für Frauen genutzt. 1863 errichtete man ein weiteres Frauengefängnis neben der alten Zitadelle, die"Zitadelle 2". Die Nationalsozialisten nutzen die "Zitadelle 2" ab  1933 als Konzentrationslager für männliche politische Gefangene. Nach der endgültigen Zerschlagung der politischen Opposition wandelten die Nationalsozialisten im Jahre 1935 die "Zitadelle 2" in ein reguläres Männergefängnis um. Später diente "Zitadelle 2" als Arbeitslager für französische und belgische Frauen, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1956 als Frauenjugendgefängnis, dann als Jugendgefängnis, und seit 2006 wieder als Frauengefängnis. Das alte Zeughaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre als Jugendgefängnis genutzt und in den 1990er Jahren zum Museum umgebaut.

Die Bilder ganz oben zeigen das Zeughaus der Zitadelle von vorne und von hinten, sowie drei Innenaufnahmen, eine mit dem Bauherren der Zitadelle, dem als sehr kriegerisch geltenden Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard Graf von Galen, darunter eine Ritterrüstung und ein Modell eines ausgeschmückten Turnierpferdes der Ritterzeit.  

Unter diesem Textblock folgen Bilder von den Wallanlagen. Auf dem ersten der Bilder ist  ein Beobachtungs- oder Geschützturm auf einer der Bastionen zu sehen. Besonders hervorzuheben ist das vierte Bild. Es zeigt Weinanbau auf einem der Wälle. Auf dem fünften Bild befindet sich im Hintergrund das 1863 erbaute Gefängnis "Zitadelle 2".







  















 



Es folgen Fotos aus einem erhaltenen Zellentrakt des Gefängnisses im alten Zeughaus: