Freitag, 11. Juni 2010

Bremerhaven















Bremerhaven ist im Gegensatz zu Bremen keine seit dem Mittelalter gewachsene Stadt, sondern ein Gebilde des Industriezeitalters, das aus einem Bremer Vorhafen und zusammengefaßter Nachbargemeinden entstanden ist. Weil der Hafen in Bremen durch die Versandung des Fahrwassers der Weser und den Konkurrenzhafen in Oldenburg gefährdet war, erwarb die Stadt Bremen im Jahre 1827 vom Königreich Hannover einen Platz südlich der Ortschaft Lehe zwecks Bau eines Bremer Vorhafens mit einer kleinen Siedlung. Hafen und Siedlung waren somit eine bremische Exklave auf hannoverschem Gebiet und bekamen den Namen "Bremer Haven". Unmittelbar südlich davon an der Mündung der Geeste gründete 1845 das Königreich Hannover einen eigenen Hafen mit dem Namen "Geestemünde". Laufende Erweiterungen des Bremischen Hafens machten weitere Gebietserwerbungen Bremens von Hannover erforderlich. In Geestemünde wurde 1896 der Fischereihafen eröffnet, der Mitte des 20. Jahrhunderts zum größten Fischereihafen Europas aufstieg. In Lehe entstand eine ausgedehnte Arbeiterstadt, in der die Hafen- und Werftarbeiter wohnten. 1924 schlossen sich Lehe und Geestemünde zur Stadt Wesermünde zusammen, in die 1939 auch "Bremer Haven" eingemeindet wurde, allerdings ohne den Hafen, dieser blieb bis heute eine Exklave der Stadt Bremen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wesermünde in Bremerhaven umbenannt und Teil des Bundeslandes Bremen.

Bremerhaven hat immer eine besondere Verbindung zu den USA gehabt. Es begann mit dem Auswandererhafen und der Inbetriebnahme der ersten Postdampferlinie zwischen den USA und Europa im Jahre 1847. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Bremerhaven zum wichtigsten deutschen Passagierhafen im Linienverkehr mit den USA. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges waren Bremen und Bremerhaven eine Enklave der US-amerikanischen Besatzungsmacht inmitten der britischen Besatzungszone. Bremerhaven wurde eine wichtige amerkanische Garnisonsstadt und Einschiffungs- und Versorgungshafen für die US-Streitkräfte in Deutschland. Heute ist das alles verschwunden und fast vergessen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bremerhaven sehr stark zerstört. Beim Wiederaufbau nahm man wenig Rücksicht auf das ursprüngliche Gesicht der Stadt und errichtete fast ausschließlich damals als modern geltende Häuserblocks in der sogenannten "Grauen Architektur" der Nachkriegszeit, sowie breite Verkehrsmagistralen mitten durch die Stadt. Davon ist Bremerhaven noch heute geprägt. 1977 entstand das Wahrzeichen Bremerhavens, der Hochhauskomplex "Columbus-Center". Nur in Lehe findet man teils noch das alte Stadtbild aus der Vorkriegszeit.



























Das Foto vom Columbusbahnhof (viertes Bild von ganz oben) habe ich bereits in den 1980er Jahren aufgenommen. Der Columbusbahnhof war ein großer Bahnhof mit mehreren Bahnsteigen am Kai, von dem aus die Reisenden aus den Fernzügen direkt in die großen Passagierdampfer umsteigen konnten. In den 1930er Jahren wurde mit den drei legendären Ozean-Riesen des Norddeutschen Lloyd, der "Columbus", der "Europa" und der "Bremen" von dort aus wöchentlich New York angelaufen, hinzu kamen Abfahrten mit kleineren Passagierschiffen in alle Regionen der Welt. Im Jahre 1958 betrat hier Elvis Presley als US-Soldat deutschen Boden, bejubelt von seinen Fans. Zuletzt fuhren im transatlantischen Passagier-Verkehr die zweite "Bremen" und die "United States". Letztere war damals das schnellste und stärkste Schiff der Welt. 1969 wurde es nur 17 Jahre nach seiner Jungfernfahrt abgestellt, der Linienverkehr nach New York beendet. Der Flugverkehr hatte sich endgültig und vollständig durchgesetzt. Seit den 1970er Jahren führte das Terminal dann ein Schattendasein. Außer Seebäderschiffen liefen hin und wieder Kreuzfahrtschiffe den Columbusbahnhof an. Die 1966 gegründete Fährlinie nach Harwitch (England) wurde bereits 1982 wieder eingestellt. Im Jahre 2000 begann der Umbau zu einem modernen Kreuzfahrt-Terminal, das heute den neudeutschen Namen "Columbus Cruise Center" trägt. Der Bahnanschluß wurde stillgelegt. Wo früher Fernzüge standen, befinden sich heute Parkplätze und Stellplätze für Busse. Der einstige Zauber ist vorbei. Das unterste Foto zeigt nicht den Columbusbahnhof, sondern den Hauptbahnhof.